Das Schulsystem
Das Schuljahr
Das Schuljahr in Australien und in Neuseeland dauert von Ende Januar bis Mitte Dezember und
ist in 4 Terms von je 9-11 Wochen Länge unterteilt (siehe Schaubild). Dazwischen liegen jeweils
2 Ferienwochen. Nur in Tasmanien gilt immer noch die traditionelle Einteilung in 3 Trimester.
Die Sommerferien dauern von Mitte Dezember bis Ende Januar. Je nach Bundesstaat ergeben sich in
manchen Jahren geringfügige Verschiebungen. Für europäische Teilnehmer empfiehlt sich ein Einstieg
zu Beginn des Schuljahres auf der Südhalbkugel oder am Ende unseres Schuljahres, also zu Term 1 im
Januar oder zu Term 3 im Juli. Eine Verlängerung des Aufenthalts ist möglich.

Das Schulsystem
Im föderativ strukturierten Australien ist das Bildungswesen wie etwa in Deutschland
und der Schweiz Angelegenheit der einzelnen Bundesstaaten. Daher ergeben sich in den Schulstrukturen
von Staat zu Staat gewisse Unterschiede in den Inhalten und Bezeichnungen. Gemeinsam ist aber allen
ein Gesamtschul-Prinzip, in dem nicht in fest gefügten Klassen sondern in Kursen unterrichtet wird.
Die Schulzeit umfasst 6-7 Jahre Grundschule (Primary School), die anschließende Sekundarschule
(High School, College, Secondary College etc.) in Australien die Jahre (7)8-12, in Neuseeland die Jahre 8-13.
Manche Schule führen nicht alle Klassenstufen, so dass es auch unter den von uns angebotenen Schulen reine Junior und Senior High Schools gibt.
Jede Schule eine Schule für sich
Australische Schulen sind in der Gestaltung ihrer Lehrinhalte und ihres Lernumfeldes wesentlich freier
und unabhängiger wie etwa in Deutschland. Sie reden bei der Lehrereinstellung mit und können weitgehend
selbst über ihre Gelder verfügen. Außerdem können sie ihr Budget durch eigene Einnahmen aufbessern wie
etwa durch den Verkauf von Holzprodukten aus der schuleigenen Schreinerwerkstatt oder Pflanzen aus
Gewächshäusern. Gärtner, Computertechniker, Instrumentallehrer usw. können von der Schule selbst angestellt
werden. Die Aufnahme ausländischer Schüler im Rahmen eines International Student Program ist ebenfalls zu
einem wichtigen "Geschäftszweig" geworden (sonst gäbe es auch diesen Katalog nicht!). Diese Einnahmen kommen
wieder dem Schulbetrieb zu Gute, indem sie in die Ausstattung der Unterrichtsräume oder neue Technologien
investiert werden. So sind heute alle Schulen sehr gut mit Computern ausgestattet und haben Internet-Zugang,
der auch von den int. Gastschülern genutzt werden kann.
In Neuseeland agieren die öffentlichen Schulen völlig selbständig unter dem Dach des Code of Practice,
in dem vom Unterrichtsministerium alle Regularien verbindlich festgelegt worden sind. Nur wer diese erfüllt,
bekommt eine "Lizenz" für den Unterrichtsbetrieb und das Recht, int. Schüler aufzunehmen. In diesem Rahmen
kann sich die Schule ihre Lehrkräfte selbst aussuchen und das Fächerangebot den lokalen Bedingungen anpassen.
Dies nutzen die Schulen z.B., indem sie das Naturpotential ihrer Umgebung nutzen und spezielle Outdoor Education
Programs anbieten.
Der Schultag
Alle Schulen sind Ganztagesschulen. In den meisten wird eine Schulkleidung getragen. Der Schultag beginnt
zwischen 8.30 und 9.00 Uhr und endet meist gegen 15.30 Uhr. So bleibt neben den 5-6 Unterrichtsstunden
auch noch genügend Zeit für die gemeinsame Mittagspause und andere Dinge, die extracurricular Activities,
die überwiegend aus sportlichen (z.B. Teamsportarten, Spezialtraining etc.) oder kulturellen (Musik,
Instrumentalunterricht, Tanz) Aktivitäten bestehen. Jede Schule verfügt über eine Kantine, in der
Lunchverpflegung gekauft werden kann. Selbständiges Lernen hat Tradition
Schon immer ist learning by doing das wichtigste Grundprinzip angelsächsischer Pädagogik gewesen. Im
Unterricht stehen daher Projektorientierung, selbständiges Arbeiten und gruppenbezogenes Lernen im
Vordergrund. Die Schüler arbeiten weitgehend selbständig und eigenverantwortlich, häufig mit Hilfe des
Computers oder in der schuleigenen Bibliothek. Der Lehrer schlüpft dann eher in die Rolle eines Beraters
und Helfers. Zur individuellen Förderung von Begabungen stehen in vielen Schulen spezielle Förderprogramme
in bestimmten Fachrichtungen zur Verfügung (Special Interest Programs, Excellence Programs). Sportliche
Aktivitäten und Teilnahme an Wettbewerben jeglicher Art sind fester Bestandteil des Erziehungsprogramms.
Die damit verbundene Publizität ist sehr gefragt und fördert den Wettbewerb der Schulen untereinander.
Das im Alltag immer irgendwo auftauchende Orientierungsbedürfnis in Form von Rankings und Vergleichen,
also die Frage "wo stehen wir?" - als Land und Gesellschaft im globalen Kontext oder als Individuum
in der Schulgemeinschaft oder Gesellschaft - bekommen die Kinder schon früh als Erziehungsziel mit.
Vergleiche und Einstufungen wie "Longest Train in the World", "best Australian school choir",
"best Victorian school soccer team" etc., sind häufig in Charakterisierung anzutreffen.
Schüler tragen Schuluniform
Ein weiteres wichtiges Grundprinzip der schulischen Erziehung ist die Förderung und Ausbildung der
Persönlichkeit von Schülerinnen und Schülern. So spielt auch die Schulkleidung vom Kindergartenalter
an eine ganz entscheidende Rolle im Leben aller Menschen. Ihr liegt weniger der Gedanke einer Gleichmacherei
zugrunde, vielmehr vermittelt sie von klein auf das Gefühl der Coorporate Identity, das Gefühl, zu einer
ganz bestimmten Gemeinschaft zu gehören und diese auch nach außen zu repräsentieren. Die meisten Schulen
besitzen auch eine Art Verhaltenskodex, in dem oft die Auswahl der zu tragenden Bekleidung genau
festgelegt ist. Für europäische Schüler ungewohnt dürften dabei oft auch Festlegungen sein, die
hierzulande als Eingriff in die Persönliche Freiheit gewertet würden, in Down Under aber seit ewigen
Zeiten sanktioniert sind und an denen niemand je Anstoß nehmen würde. Dazu gehören z.B. die
Reglementierungen zum Tragen von Schmuck oder sich zu schminken. Auch die Art der zu tragenden
Schuhe ist meist festgelegt. Handygebrauch oder Rauchen von Jugendlichen sind sowieso kein Thema
in der Schule. Auch um sich gegenüber den Mitschülern und Lehrern zu profilieren, sind Markenjeans
und grüne Haare in der Schule kein taugliches Mittel.
Fächerwahl
Menu à la carte An allen Schulen wird durchgängig nach dem Kurssystem unterrichtet. Manche Kurse
werden für 1 Term angeboten, andere müssen für ein ganzes Semester (2 Terms) belegt werden. Dies
variiert von Schule zu Schule. In der Regel wählen die Schülerinnen und Schüler 5-6 Unterrichtsfächer
aus, wobei Englisch meist Pflichtfach ist. Internationale Schülerinnen und Schüler können diese Wahl
weitgehend nach ihren Neigungen und Interessen vornehmen, sofern sie keinen australischen bzw.
neuseeländischen Schulabschluss anstreben. An jeder Schule ist ein International Student Coordinator
der ständige Ansprechpartner und steht den Schülerinnen und Schülern bei allen Fragen zur
Stundenplangestaltung, allgemeinen Orientierung und bei Problemen beratend zur Seite.
Alle Schulen verfügen über ein breites Angebot an allgemein bildenden Fächern, die den Bereichen
Naturwissenschaften, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften zuzuordnen sind. Dazu kommen in jeder
Schule eine Reihe von handwerklichen und industriellen Kursangeboten, wie sie etwa in Deutschland
nur im beruflichen Schulbereich zu finden sind. Wir empfehlen unseren Gastschülern immer, von diesem
Angebot je nach Interesse und Neigung auch Gebrauch zu machen. Sportliche Aktivitäten jeglicher Art
werden traditionell groß geschrieben.
Fremdsprachen
Kulturell und geographisch bedingt ist das Angebot an Fremdsprachen weitgehend auf den benachbarten
asiatischen Raum ausgerichtet. Europäische Fremdsprachen wie Französisch, Italienisch oder Spanisch
spielen eher eine Nebenrolle und werden nicht flächendeckend und oft nicht durch alle Jahrgangsstufen
hindurch angeboten. Sollte der Nachweis eines entsprechenden Sprachunterrichts von der Heimatschule
vorgegeben sein (z.B. in Niedersachsen), so kann dies durch die Wahl eines entsprechenden externen
Programms abgedeckt werden. Unsere Programmpartner bieten hierzu jeweils spezielle Möglichkeiten an.
Nähere Informationen finden Sie in den regionalen Beschreibungen.
Qualifikationen
Auch eine einheitliche Schulabschlussprüfung existiert nicht. Die von den einzelnen Bundesstaaten
verliehenen Abschlussqualifikationen werden aber landesweit anerkannt. Beispiel dafür sind das SACE
(South Australian Certificate of Education oder das QCE (Queensland Certificate of Education).
Verbunden mit eine Tertiary Entrance Score (Zulassungspunktzahl) berechtigen diese Abschlüsse zu
einem Studium an allen Universitäten im angelsächsischen Raum. Auch für europäische Schüler kann
die Verlängerung des geplanten Schulaufenthaltes und der Erwerb eines australischen Schulabschlusses
von Vorteil sein. Dies ist an den meisten Schulen möglich, wenn rechtzeitig alle erforderlichen
Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Das International Baccalaureat (IB) stellt eine weitere
Möglichkeit für Gastschüler dar, einen internationalen Schulabschluss zu erwerben. Weltweit richten
immer mehr Schulen ihr Bildungsangebot an diesem IB-Standard aus. Dazu gehören auch eine Reihe der
von uns angebotenen Schulen in Australien und Neuseeland. Zur Anerkennung solcher Schulabschlüsse
als Studienberechtigung an einer deutschen Hochschule gibt es Regelungen im Rahmen einer KMK-Vereinbarung,
die aber offensichtlich von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausgelegt werden.
Kürzere Schulzeit - jüngere Studenten
Da australische Schüler mit 5-6 Jahren eingeschult werden, sind sie bei Beendigung ihrer Schulzeit in
der Regel ca. 17 Jahre alt und somit wesentlich jünger als deutsche Abiturienten. Dieser Altersvorsprung
setzt sich mit einem normalerweise nur 6 Semester dauernden Hochschulstudium an den Universitäten fort.
Leadership training zielt darauf ab, den Umgang der jungen Menschen miteinander zu schulen. Der Ausbildung
von Führungsqualitäten für eine zukünftige Rolle in der Arbeitswelt wird große Bedeutung beigemessen.
Lernerfahrungen außerhalb des Schulgebäudes sind wichtiger Bestandteil der Erziehung. Die Schulen sind
besonders auf ihr umfangreiches Angebot an außerschulischen Aktivitäten stolz. Ständig finden irgendwelche
Wettbewerbe oder Meisterschaften statt. Outdoor Education ist an vielen Schulen ein gern gewähltes Programm.
Hierbei stellen die Schulen individuelle Programme zusammen, die Naturkundeunterricht, Exkursionen und meist
auch sportliche Aktivitäten enthalten.
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